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Wenn der Vater mit dem Sohne...

In den letzten Wochen hatte ich den Eindruck die Zeit wolle einfach nicht vergehen, aber nun war es endlich soweit, der erste Tag der Sommerferien lag vor mir. Einen Moment lang überkam mich ein Gefühl von Traurigkeit, denn meine Eltern hatten mir gesagt, dass wir dieses Jahr nicht wegfahren können, da mein Dad letztes Jahr eine Zeit lang ohne Job war und er jetzt keinen Urlaub bekam. Aber diese Gefühl hielt nicht lange an, denn ich verstand es und freute mich mit meinem Dad, dass er nun doch eine Arbeit gefunden hatte. Nach dem Frühstück schnappte ich mir mein Skateboard und rollerte so durch die Gegend. Ein bisschen Langweilig war es schon, denn die meisten meiner Freunde waren mit Kofferpacken beschäftigt. Als ich am Abend nach Hause kam war diese Traurigkeit wieder da. Sechs lange Wochen vor mir, die meiste Zeit ohne Freunde, allein in unserem Nest ...! Als mein Dad von der Arbeit nach Hause kam versuchte ich meine Gefühle zu verbergen, denn ich wollte ihn nicht damit belasten, aber irgendwie merkte er es doch. Als ich am Abend auf meinem Bett lag und in einem Buch schmökerte, klopfte es plötzlich leise an die Tür. „Störe ich?”, hörte ich meinen Dad fragen. „Nein”, antwortete ich, „komm ruhig rein!” Die Tür öffnete sich und mein Dad kam herein und setzte sich zu mir ans Bett. „Tommy, ich weiß dass du traurig bist, weil wir dieses Jahr nicht in den Urlaub fahren können.” „Es ist schon in Ordnung”, erwiderte ich. „Ich habe mir überlegt, wir könnten doch am Wochenende mal zusammen in das neue Sportcenter gehen, nur du und ich.” Ich war ehrlich gesagt ziemlich überrascht über diesen Vorschlag. „Gar keine schlechte Idee:” antwortete ich. „Ok, abgemacht!” sagte mein Dad und streckte mir die Hand entgegen. „Ok!” erwiderte ich und schlug ein. „Dann will ich dich nicht länger stören!” sagte er, stand auf und ging zur Tür hinaus. „Dad!!!” rief ich ihm noch hinterher. Er streckte seinen Kopf noch einmal herein und fragte „Was gibt’s?” „Danke, ich freu mich schon drauf!” Ohne noch ein Wort zu sagen zwinkerte er mir kurz zu und schloss die Tür hinter sich.

Ich konnte das Wochenende kaum erwarten, und endlich war es so weit. Wir frühstückten gemeinsam und dann ging’s auch schon los. Nach einer Stunde Autofahrt waren wir am Ziel. Nachdem wir unseren Eintritt gezahlt hatten verschafften wir uns erst einmal einen Überblick über das riesige Angebot. Hier gab es wirklich alles was man sich nur vorstellen konnte. Schwimmbad, Sauna, Aerobicraüme, Tae Bo, einen unüberschaubar großen Raum mit allen möglichen und unmöglichen Kraftmaschinen, einen Boxring, Trainingsfahrräder mit Pulsmessung, mehrere Trampolins, einen Billiardraum, Scwash- , Badminton- und Tennisplätze und und und...! Eines aber zog meinen Blick magisch an. Eine fast 12 Meter hohe Kletterwand, oben sogar mit Überhang. Schnurstracks hielt ich darauf zu. Mit Begeisterung sah ich zu mit welch einer Leichtigkeit sich die Kletterer in der Wand bewegten. Einer viel mir ganz besonders auf, er hing mit gerade mal zwei Fingern an einem roten Haltegriff und schwang sich elegant mit einem Fuß zum nächsten Haltepunkt hoch. Auch mein Dad hatte schon einige Erfahrung an der Kletterwand, aber er meinte immer dafür sei ich noch zu jung. Als er meine weit aufgerissenen Augen sah meinte er „Und mein Kleiner, wie schaut’s aus?” und grinste dabei. Ich konnte es im ersten Moment gar nicht fassen und dachte mir das wäre nur ein Scherz. „Meinst du das im Ernst”, fragte ich ihn! „Klar doch, sonst hätte ich dich nicht gefragt!” antwortete mein Dad. „Das kann ich nicht!”, antwortete ich mit zitternder Stimme. Ehrlich gesagt ich hatte ganz schön Angst. Was wenn ich runterfalle, wenn ich nicht mehr weiterkomme oder die Kraft mich verlässt? Als wir so unten an der Wand standen und hinauf sahen war sie für mich ein nicht zu überwindendes Hindernis, eine Herausforderung der ich mich alles andere als gewachsen fühlte. Plötzlich merkte ich wie mein Dad sanft seine Hand auf meine Schulter legte und meinte „Das schaffst du schon, ich helfe dir dabei, du brauchst keine Angst zu haben.” „Meinst du?”, fragte ich ihn und sah ihn etwas ungläubig an. „Komm mit!” Wir gingen zu einem kleinen Stand links von der Kletterwand. Dort begrüßte uns ein braungebrannter, sehr sportlich wirkender junger Mann. „Wir bräuchten einmal Kletterschuhe Größe 40 und einen Kindergurt.” Der junge Mann verschwand kurz in einem Nebenraum und kam mit den Sachen zurück. Mein Dad nahm die Ausrüstung und wir gingen wieder zu der, mir inzwischen immer höher vorkommenden Wand. 

„Hier, steig mal mit beiden Beinen hier durch, und jetzt die Arme hier durch, jetzt die schnallen vorne zusammen führen und in den Karabiner einhaken. Nun die Verstellgurte stramm ziehen!” Eh ich’s mich versah war ich bereits in meinem Gurtzeug und mein Dad zeigte mir noch ein paar Knoten und wie man das Kletterseil am Gurt befestigt. Ich zog mir noch die Kletterschuhe an und nach einigen kurzen, erklärenden Worte ging es schon los. Ich stellte den rechten Fuß auf den ersten Tritt und griff mit der linken Hand nach dem ersten Haltepunkt. Schon war ich in der Wand, zwar noch ganz unten aber immer hin. Als ich meinen Blick zurück wandte kam auch schon die erste Rüge. „Habe ich dir nicht gesagt niemals nach unten oder nach hinten sehen!!! Schau nach oben und suche den nächsten Griff. Achte darauf das du dich nicht versteigst.” Ich machte es so wie mein Dad gesagt hatte und kletterte weiter, Griff um Griff, Tritt um Tritt., immer in dem Bewusstsein er hält die Sicherungsleine in der Hand. Ich war wohl schon so um die 8 Meter weit oben, als ich merkte wie meine Arme und Beine immer schwerer wurden. Wenn ich mich festhielt begann mein Arm zu zittern. „Ich kann nicht mehr!!!” rief ich meinem Dad zu. „Junge du schaffst das” hörte ich ihn von unten rufen. „Ich finde keinen Griff!” erwiderte ich. „Nimm jetzt den rechten Fuß auf den Roten Tritt! Gut so, und jetzt greife mit der linken Hand den Blauen Griff. Sehr gut, du schaffst es. Siehst du den gelben Tritt links von dir?” „Ja!” „Gut jetzt stell deinen Fuß darauf und drücke dich leicht nach rechts, dann müsstest du den Nächsten Griff erreichen. Sehr gut du hast es gleich geschafft. Nun den rechten Fuß nachsetzen auf den roten Tritt neben deinem Knie und halte dich mit dem Körper dicht an der Wand. Jetzt geh mit der linken Hand nach oben...!” Ich folgte einfach seinen Anweisungen und achtete auf nichts anderes mehr. Es war ein total eigenartiges Gefühl. Wie wenn es nur noch mich, meinen Dad und die Wand gab. Plötzlich merkte ich wie mich eine Hand ergriff und nach oben auf das Gerüst zog. „Gratuliere du hast es geschafft!” rief mein Dad von unten, der von hier oben schon recht klein aussah. „Wenn du dich nicht abseilen möchtest, kannst du auch hinten die Treppe nehmen.” Sagte der junge Mann zu mir, den ich erst jetzt richtig wahrnahm. Er klopfte mir auf die Schulter und meinte „Tolle Leistung für das erste mal.” Es war jener Mann vom Stand der uns die Ausrüstung gegeben hatte. „Ja” erwiderte ich mit leicht zitternden Knien, „ich glaube ich nehme lieber die Treppe. Für heute habe ich genug.” Unten angekommen kam mein Dad auf mich zu und sagte nur „Junge ich bin stolz auf dich. Obwohl du glaubtest das du nicht mehr weiter kommst hast du nicht aufgegeben. Du hast nicht nur die Wand, sondern auch dich selbst und deine Angst bezwungen!” „Ja das schon, aber ohne deine Hilfe hätte ich es niemals geschafft! Danke , Dad.” Wir gaben noch den Gurt und die Kletterschuhe ab und machten es uns den Rest vom Tag am Swimmingpool gemütlich. Das war herrlich, jeder eine eiskalte Cola, gemütlich unter Plastikpalmen im Liegestuhl auszuruhen. Ich fühlte mich fast wie im Urlaub. Als wir am Abend wieder zu hause waren, viel ich ziemlich geschafft in mein Bett. Mein Dad, schaute noch kurz in mein Zimmer herein und wünschte mir eine gute Nacht. „Dad.” sagte ich. „Was?” „Weist du das du voll in Ordnung bist? Ich glaube du bist der beste Dad den man sich wünschen kann!” „Ist schon gut mein Junge. Jetzt schlaf gut und träum was schönes.” Er zwinkerte mir noch einmal zu und ging mit einem nachdenklichen Lächeln aus dem Zimmer und löschte das Licht. Ich denke er war nicht nur stolz auf mich, sondern seit langem das erste mal wieder richtig glücklich.

Liebe Geschwister,

geht es uns nicht auch oft so wie diesem kleinen Jungen? Stehen wir nicht auch oft vor so einer Kletterwand? Kommen uns nicht oft Aufgaben, Probleme und neue Herausforderungen unüberwindbar vor? Er hat seine Wand bezwungen! Aber wie sieht es mit unseren Wänden aus? Haben wir auch den Mut die Dinge anzupacken? Haben wir auch so ein festes Vertrauen zu unserem Himmlischen Vater wie er es zu seinem Vater hatte? Können wir glauben das auch wir den besten „Dad” an unserer Seite haben? Wenn wir anfangen neue Schritte zu wagen können wir uns voll auf ihn verlassen, dass auch er unser Sicherungsseil hält. So wie der Junge im Sicherheit war, so sind es auch wir! Er war seinem Vater voll und ganz ausgeliefert, aber er vertraute ihm. Wenn er abgerutscht wäre, sein Vater hätte ihn gehalten. Auch wir wenn wir uns unserem himmlischen Vater ganz und gar ausliefern, ihm in allen Dingen vertrauen, dann wird auch er uns halten wenn wir abrutschen. Ich persönlich durfte es immer wieder erfahren. Mitten in der Wand steht man da, die Probleme nehmen überhand und man sieht keinen Ausweg mehr. Die Kräfte verlassen einen und man fühlt nur noch eine Art Ohnmacht die einen überfällt. Aber genau in solchen Situationen durfte ich die Kraft des lebendigen Gottes erfahren. Es wurden mir immer wieder seine Verheißungen lebendig und ich konnte ihm vertrauen, konnte neuen Mut und neue Hoffnung schöpfen. Nicht nur einmal war es mir so, als ob Gott mir zuruft „Nur Mut mein Junge, du schaffst das schon!”  Auch wenn ich keinen Weg mehr sehen konnte, nicht wusste wie es weitergehen sollte durfte ich wissen ER ist bei mir, er sieht mich und weiß um was es geht. Er weiß wie ich mich fühle und das meine Kräfte zu Ende gehen. Und so wie der Vater in unserer Geschichte von unten aus den besseren Überblick für die nächsten Schritte hatte, so hat Gott auch für unseren Weg den besseren Überblick. Auch wir erfahren nicht gleich den ganzen Weg den er uns führen möchte, aber er zeigt uns den nächsten Schritt den wir zu machen haben. Erst wenn wir diesen Schritt im Gehorsam und im Vertrauen auf seine Führung getan haben wird er uns den nächsten zeigen. So führt er uns durch unsere Probleme, Aufgaben und Herausforderungen hindurch. Wenn wir dann ein Ziel erreicht haben und zurück blickend die ganzen Schritte sehen dürfen die er uns geführt hat, werden wir uns auch neun Aufgaben und Herausforderungen stellen, immer in dem Bewusstsein das wir auch in den größten Problemen und Sorgen ihm vertrauen können. Er ist wahrlich der beste Vater den man sich wünschen kann. In diesem Sinne wünsche ich euch eine gesegnete Zeit, immer das Ziel vor Augen und das Ohr offen für seine Weisungen

euer Wolfgang

Bibelstellen:

Ps 23,3-4 ... er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, ...

Ps 119,105 Dein Wort ist meine Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.

Jes 43,1 ... Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Jes 40,31 ... die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

2Kor 4,7-9 Wir haben aber solchen Schatz in irdischen Gefäßen, auf dass die überschwengliche Kraft sei Gottes und nicht von uns. Wir haben allenthalben Trübsal, aber wir ängstigen uns nicht; uns ist bange, aber wir verzagen nicht; wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen; wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um